Spielerprofil
Max Seemann
Vereine & Saisonen
Anekdoten & Zitate
Der Sportartikelhändler Max Seemann pfiff mehrere Spiele der Saison als Skandalschiedsrichter - sein 'Spezialhaus für Sportartikel' befand sich im ersten Bezirk in der Annagasse Nr. 18 (heute eine Genuss-Manufaktur, ein Antiquariat und eine Art Gallery). Beim Skandalspiel WAF-Hertha (0:6, Abbruch) erzürnte er Heinrich Belohlavek so sehr, dass dieser nach roter Karte das Feld nicht verlassen wollte und das Spiel abgebrochen werden musste - Seemann musste sich sogar Morddrohungen gefallen lassen. Beim 7:0 des FAC gegen Simmering zeigte er erneut eine Tendenz gegen den krassen Außenseiter. Beim 9:0 des WAF gegen Simmering pfiff er hingegen einwandfrei. Beim Freundschaftsspiel Rapid gegen WAF (1:1) wurde er nach dem Spiel sehr gelobt - er hatte ein extrem schweres Spiel zu pfeifen und brachte es am Ende über die Bühne.
Quelle: Rapid Wien oder FAC: Der spannende Krimi um den Meistertitel 1915/16, Abs. 1265-1276, 1405-1421, 1596-1611, 2183-2199, 2333-2337
Der klein gewachsene und umstrittene Schiedsrichter leitete das Spiel WAF gegen Hertha und übersah am Ende einen Handelfmeter für den WAF. Hauptberuflich betrieb er ein Sportartikelgeschäft in der Annagasse gleich gegenüber dem ÖFB. Später wurde er einer der ersten Fußballmanager Österreichs: er startete bei den Amateuren, wurde 1924 bezahlter Manager beim WAC und ging ein Jahr darauf nach Prag zum DFC. Zur Zeit des "Anschlusses" 1938 lebte er wieder in Wien und war als Jude der Verfolgung durch den Nationalsozialismus ausgesetzt. Im September 1939 verließ er Wien laut Meldezettel in Richtung Frankreich; ob er dort ankam, ist unklar. Er starb ein halbes Jahr später, am 20. Februar 1939 [sic, gemeint wohl 1940], in Belgrad.
Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 3500