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Aus der Buchreihe Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1918/19
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Verein

SC Simmering

SC Simmering nahm an 15 Meisterschaften zwischen 1911 und 1926 teil (297 Meisterschaftsspiele dokumentiert).

Saisonen

Anekdoten

Der 26-jährige Josef Kudin war Mann des Spiels bei Simmering - Rapid (5:2) mit 4 Toren und einem lupenreinen Hattrick zwischen Minute 26 und 30. Am Ende belegte Kudin mit 15 Toren Platz 4 der Torschützenliste, vor Topstars wie Studnicka und Hussak. Die Saison 1911/12 war bereits sein 8. Jahr beim SC Simmering. Er galt nicht als überragender Techniker, sondern als zuverlässige, eifrige Stütze mit gutem Positionsspiel und Torriecher. Er blieb bis zu seinem Lebensende in Simmering wohnhaft, starb 1960 und wurde in der Feuerhalle Simmering eingeäschert.

Josef Kudin ·Saison 1911/12 ·außergewöhnlich

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 541-553

Beim Spiel WAC - Simmering (5:1) lief es für Goalgetter Josef Kudin überhaupt nicht und er wurde zum Überdruss noch ausgeschlossen. Das Sportblatt kritisierte ihn scharf: 'Kudin stand ständig nur vor dem Tore des WAC auf der Lauer und kümmerte sich sonst überhaupt nicht ums Spiel. Diese kindliche Auffassung der Pflichten eines Mittelstürmers ist im letzten Ende nur Egoismus, der die eigene Mannschaft schädigt.'

Josef Kudin ·Saison 1911/12 ·lustig

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 633-637

Der damals 18-jährige Karl Rumbold spielte im Spiel Simmering - WAF (3:5) zu unbeholfen und zu langsam. In der Saison 1932/33 schaffte er es in die oberste italienische Liga zum FC Genua, wo er unter anderem den argentinischen Topstar und Torschützenkönig der WM 1930, Guillermo Stabile, trainierte. Genua wurde damals Achter, ein Jahr später stieg der Verein ab.

Karl Rumbold ·Saison 1911/12 ·außergewöhnlich

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 1269

Robert Kraus erzielte beim Spiel Rapid - Simmering (3:4) das entscheidende 4:2. Er wurde von den Simmeringern vor Saisonstart von der Hakoah geholt und zählte bereits 1909 zu einem der talentiertesten Angreifer Österreichs; er schaffte es einmal in den erweiterten Nationalkader, kam aber wegen der starken Konkurrenz nie zum Einsatz. Nach einigen Spielen in der nächsten Saison im September 1912 verlor sich seine Spur.

Robert Kraus ·Saison 1911/12 ·skurril

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 1346-1356

Bei Simmering debütierte der damals 20-jährige Ignaz Tiller im Tor im Spiel Simmering - Hertha (3:1). Tiller wechselte im Herbst 1922 zu Rapid und holte gleich in der ersten Saison den Meistertitel mit den Grün-Weißen.

Ignaz Tiller ·Saison 1911/12 ·außergewöhnlich

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 453

Simmerings Torhüter Ignaz Tiller hielt in seiner zweiten Partie (Simmering - FAC, 3:1) wieder grandios und brachte den FAC mehr als einmal zur Verzweiflung.

Ignaz Tiller ·Saison 1911/12 ·außergewöhnlich

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 496

Simmering-Torhüter Leopold Neuhauser wurde im weiteren Verlauf der Herbstmeisterschaft vom Verein aus disziplinären Gründen suspendiert, bekam aber im Frühjahr 1912 eine zweite Chance, die er nützte und bis zum Saisonende im Tor blieb. Er dankte es seinem Verein mit großartigen Leistungen, hielt unter anderem in den Spielen gegen Rapid (Hinspiel 5:2, Rückspiel 4:3) jeweils grandios.

Leopold Neuhauser ·Saison 1911/12 ·außergewöhnlich

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 156, 451, 1350, 1360-1392

Ferdinand Swatosch, 'der Stürmer der öfters schießen sollte', traf im Spiel Simmering - WAC (3:3) zum 3:2. Im Spiel Simmering - Vienna (6:0) traf der 'schussscheue' Swatosch gleich zwei Mal - 'jetzt dürfte der Knopf aufgegangen sein', kommentierte der Autor.

Ferdinand Swatosch ·Saison 1911/12 ·lustig

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 1490, 1627

Bei Simmering stach im Spiel Simmering - FAC (4:3) vor allem der Verteidiger ('Back') Franz Macho hervor, ebenso wie der 'Centre Half' Gustav Roscher. Simmering dürfte das Spiel auf Grund seiner besseren Verteidiger gewonnen haben.

Franz Macho ·Saison 1911/12 ·außergewöhnlich

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 911

Gustav Roscher, Simmerings 'Centre Half' (Innenverteidiger), wurde im Spiel Simmering - FAC (4:3) besonders lobend erwähnt.

Gustav Roscher ·Saison 1911/12 ·außergewöhnlich

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 911

Der 27-jährige Simmeringer Josef Swatosch traf im Spiel Amateure - Simmering (3:4) zwei Mal, beide Male durch Elfmeter. Ein Wiener mit dem Namen Josef Swatosch fiel im spanischen Bürgerkrieg 1936 bei Teruel; dabei dürfte es sich um einen anderen Josef Swatosch gehandelt haben, da der Spieler zu diesem Zeitpunkt bereits 52 Jahre gewesen wäre - möglicherweise um seinen Sohn, der den Vornamen 'Josef' nach Familientradition erhalten hätte.

Josef Swatosch ·Saison 1912 (Frühjahr) ·skurril

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 847-849

Ferdinand Swatosch traf in der 70. Minute zum 2:1-Siegestreffer für Simmering gegen den WAC (1:2), nachdem WAC-Torhüter Heinrich Hartmann bei einem leichten Ball danebengegriffen hatte und Swatosch lauernd das Geschenk annahm.

Ferdinand Swatosch ·Saison 1912/13 ·lustig

Quelle: Rapids erste Titelverteidigung 1912/13, Abs. 1160-1168

Der talentierte Jungbomber Ferdinand Swatosch erhöhte im Spiel Simmering - Amateure (5:2) auf 3:1 und traf in der 81. Minute erneut zum 4:1. Er war damals gerade erst 19 Jahre alt geworden und galt als einer der besten Stürmer der frühen 1920er Jahre in Österreich. Später konnte er mehrfach Meister mit Rapid und Austria werden, wanderte nach Deutschland aus, heiratete eine Kölnerin und trainierte Vereine wie Borussia Dortmund, Arminia Bielefeld und Schalke 04. Er starb am 29. November 1974. Über den von ihm trainierten FC Mulhouse in Frankreich urteilte er vernichtend: 'Eine ganz schreckliche Gesellschaft, natürlich rein fußballerisch gesehen. Die Spieler sind Belehrungen unzugänglich und es ist auch unmöglich sie zu regelmäßigen Training anzuhalten.'

Ferdinand Swatosch ·Saison 1912/13 ·Zitat

Quelle: Rapids erste Titelverteidigung 1912/13, Abs. 1514-1520

Simmerings rechter Flügelstürmer und Goldtorschütze Johann Ehrlich war im Spiel WAF - Simmering (0:1) kaum zu halten und wurde von der Presse als bester Mann am Platz gefeiert. Seine Spielweise zeichnete sich durch besondere Schnelligkeit und präzise Abschlussstärke aus. Beim einzigen Tor in der 65. Minute entwischte Ehrlich seinem Bewacher Felix Tekusch, der gegen diese Schnelligkeit nichts ausrichten konnte.

Johann Ehrlich ·Saison 1912/13 ·außergewöhnlich

Quelle: Rapids erste Titelverteidigung 1912/13, Abs. 1447, 1451

Die Simmeringer Angreifer wurden damals gerne mit Attributen bedacht: Johann Ehrlich war 'der Schnelle', Josef Kudin 'der Lauffaule', Ferdinand Swatosch 'der Talentierteste', und Ignaz Winter, der im Spiel gegen Rapid die 1:0-Führung erzielte, eben 'der Ungeschicklichste'.

Ignaz Winter ·Saison 1913/14 ·lustig

Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 663

Im entscheidenden Spiel Simmering - Rapid (2:1) am 28. Juni 1914 - dem Tag der Schüsse von Sarajevo - blieb das Spiel bis zur 65. Minute torlos, dann brach Johann Ehrlich am Flügel durch und Ferdinand Swatosch traf zum 1:0, kurz darauf machte Rapids Vinzenz Dittrich ein sinnloses Foul und Swatosch verwandelte den Freistoß zum 2:0. Richard Kuthan verkürzte in der 77. Minute, doch es reichte nicht. Den Simmeringer Torhüter Leopold Neuhauser starrten zwei Rapid-Stürmer nach dem Spiel mitleidig an, nachdem er ihnen wieder eine tolle Chance zunichte gemacht hatte. Damit verspielte Rapid die Chance, den Meistertitel aus eigener Kraft zu holen - ein Unentschieden hätte genügt.

Leopold Neuhauser ·Saison 1913/14 ·skurril

Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 2622-2643

Im entscheidenden Spiel Simmering - Rapid (2:1) machte den Unterschied neben der Ruhe der Simmeringer vor allem die Leistung von Jakob Swatosch aus - er gewann so gut wie alle Zweikämpfe, und für keinen Rapid-Angreifer gab es an diesem Tag ein Vorbeikommen. Die Presse feierte sein Spiel: 'Jakob Swatosch muss momentan auf seinem Gebiete keine Konkurrenz fürchten.'

Jakob Swatosch ·Saison 1913/14 ·Zitat

Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 2634

Ferdinand Swatosch erzielte im entscheidenden Spiel Simmering - Rapid (2:1) am 28. Juni 1914 (dem Tag der Schüsse von Sarajevo) einen Doppelschlag zwischen Minute 65 und 66 - erst übernahm er nach einem Durchbruch von Johann Ehrlich den Ball direkt und hämmerte ihn zum 1:0 in die Maschen, dann verschuldete Rapids Vinzenz Dittrich im selben Moment ein sinnloses Foul und Swatosch verwandelte den Freistoß zum 2:0. Damit ermöglichte er die größte Sensation der Saison: den Verlust der Tabellenführung von Rapid kurz vor dem Saisonende.

Ferdinand Swatosch ·Saison 1913/14 ·außergewöhnlich

Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 2638

Beim 5:2 gegen die Hakoah verlor der Verteidiger das entscheidende Laufduell mit Isidor Gansl beim 3:0.

Emil Tomek ·Saison 1920/21 ·lustig

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 680

Im 1:1 gegen Rudolfshügel wurde der Verteidiger als bester Mann des Spiels herausgehoben: "Er führte eine überaus elegante Klinge, zeigte vollendete Körperbeherrschung und vor allem verriet er einen großartigen Platzierungsinstinkt. ... leider ist er von einer unglaublichen Unverlässlichkeit. Bälle, die zu meistern jeder Anhänger imstande wäre, verfehlt er plötzlich und ist zumeist über seinen Schnitzer auch noch so verblüfft, dass er sich zu keiner Rettungsaktion mehr aufraffen kann. Tomek verhütet eine Unzahl Verlustpunkte für Simmering, dagegen verschuldet er meist persönlich einen Treffer in jedem Wettspiel."

Emil Tomek ·Saison 1920/21 ·Zitat

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 1731

Der Verteidiger wurde später, in den 1930er Jahren, Rektor der Wiener Universität.

Emil Tomek ·Saison 1920/21 ·außergewöhnlich

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 1731

Beim 2:3 gegen die Amateure spielte der Verteidiger "immer besser in Form" und wurde von Thomas Riedl gut unterstützt.

Emil Tomek ·Saison 1920/21 ·außergewöhnlich

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 1799

Aus disziplinären Gründen wurde der Verteidiger vor dem 4:0-Sieg gegen den Sportclub aus der Mannschaft gestellt.

Emil Tomek ·Saison 1920/21 ·skurril

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 3767

Simmerings Verteidiger Emil Tomek erledigte laut Bericht 'wieder die schwierigsten Aufgaben mit gewohnter Leichtigkeit' - ironisch gemeint, da er als 'unbestrittener Held des Alltags' verspottet wird, der den Talent-Gen-Pool 'geplündert' habe.

Emil Tomek ·Saison 1921/22 ·lustig

Quelle: Fussball Tagebuch 1921/22, Abschnitt 'Weitere Anekdoten vom Sonntag', Para. 830

Im Spiel Simmering gegen Hertha (4. Dezember 1921) trug Emil Tomek in der letzten Viertelstunde maßgeblich zur 2:4-Niederlage seines Teams bei, indem er sich in 'Eigentoren und Fehlpässen' versuchte - das Spiel wurde als 'improvisierte Komödie' beschrieben.

Emil Tomek ·Saison 1921/22 ·tragisch

Quelle: Fussball Tagebuch 1921/22, Spielbericht 'Simmering - Hertha 2:4', Para. 1229-1232

Emil Tomek wurde als 'launenhafter Verteidiger' beschrieben, der den Rudolfshüglern durch sein unberechenbares Temperament, hitzige Wortgefechte, provokative Gesten und grobes Spiel immer wieder zum Dorn im Auge wurde - trotzdem von beachtlicher Qualität.

Emil Tomek ·Saison 1921/22 ·skurril

Quelle: Fussball Tagebuch 1921/22, Abschnitt 'Was sich sonst noch tat', Para. 2306-2308

Die Simmeringer Franz Baumgartner, Johann Horvath und Leopold Dworschak wurden als 'Miniaturausgabe von Fußballern' beschrieben: klein, aber 'oho' - oder zumindest klein.

Franz Baumgartner ·Saison 1921/22 ·lustig

Quelle: Fussball Tagebuch 1921/22, Abschnitt 'Was sonst noch geschah', Para. 1283

Simmerings Rechtsaußen Hans Geiger, ein Ex-Ober-St.-Veiter, glänzte am 5. Juni 1922 im Spiel gegen Rudolfshügel als bester der vier Flügelstürmer - mit der Präzision eines erfahrenen Kriegers nutzte er jede Gelegenheit; man prophezeite ihm eine Zukunft als einer der besten Außenstürmer.

Hans Geiger ·Saison 1921/22 ·außergewöhnlich

Quelle: Fussball Tagebuch 1921/22, Abschnitt 'Das vergangene Pfingstwochenende im Rückblick', Para. 2739

Rudolf Aigner, der nach einer Verletzung zurückgekehrte Torhüter von Simmering, kämpfte am 28. Mai 1922 gegen Ostmark 'wie ein zum Scheitern verurteilter Held' - das Spiel endete 1:1.

Rudolf Aigner ·Saison 1921/22 ·tragisch

Quelle: Fussball Tagebuch 1921/22, Spielbericht 'Simmering - Ostmark 1:1', Para. 2627-2631

Im entscheidenden Spiel Simmering gegen Hakoah (6. Juli 1922, 0:0) wurde Rudolf Aigner als 'Fels in der Brandung' beschrieben, der jeden Ball sicher abwehrte - das Unentschieden sicherte Simmering den Klassenerhalt.

Rudolf Aigner ·Saison 1921/22 ·außergewöhnlich

Quelle: Fussball Tagebuch 1921/22, Spielbericht 'Simmering - Hakoah 0:0', Para. 3186, 3189-3191

Mit Walter Ira kehrte am 27. November 1921 'eine alte Legende' für Simmering in die Startformation zurück (Spiel Simmering gegen Vienna).

Walter Ira ·Saison 1921/22 ·außergewöhnlich

Quelle: Fussball Tagebuch 1921/22, Spielbericht 'Simmering - Vienna 1:1', Para. 1082